Mittwoch, 5. Oktober 2011

Geetha, das Haushuhn - Marcella



Es war meine erste Nacht, die ich mit einem Huhn zusammen in einem Zimmer
verbrachte. Thomas, Sandra, Anne, mein Liebster neben mir und ich hatte die
Ehre, mit Geetha, unserem Zimmerhuhn, daß Zimmer zu teilen.
Ruhig und anscheinend sehr zufrieden träumte sie mit uns und machte erst
wieder auf sich aufmerksam, als sie das Zimmer um 8:00 Uhr in der Frühe
verließ. Es gab mir Anlass genug, mich dem Schlafe zu entreißen und einen
neuen aufregenden Tag in Sircialla zu beginnen.
Es ist nun schon unser dritter Tag in Sircilla und er beginnt mit einem besonderem
fast einzigartigen, fast zweistündigen Stromausfall.
Wohltuend die Ruhe vor dem Sturm dürfen wir erleben, wie wundervoll Sircilla
ohne das Geräusch von reissenden Wasserfällen sein kann.
Hierzu eine kurze Erklärung, denn es gibt in Sircilla besonders viele viele Weber
und dazu noch viel mehr Webstühle, deren Geräusche immer präsent in der Stadt
erscheinen. Nun genießen wir die ungewohnte Ruhe beim Früstück mit Bread
Omelette, Upma und Bananen. Es liegt eine leichte Aufregung in der Luft, da wir,
heute eine Textile Colony Nähe Sircilla fahren werden, um dort ein Social Mapping
mit den dort lebenden Familien durchzuführen.
Nach vielen geklärten Fragen beginnen wir also eine kleine Reise in die Textile Colony
mit unserem Lieblingsbus und ich selbst fühle mich in große Vorfreude versetzt.
Ich liebe es ganz besonders Menschen in ihrer gewohnte Umgebung zu besuchen
und dabei für einen kurzen Moment zu einem Teil ihres Alltages zu werden.
Das Besondere ist für mich dabei, das Leben von Menschen unterschiedlicher
Herkunft zu ergründen und zu entdecken, wie verschieden Lebenswege
aussehen können. Nachdem die Colony erreichten, besuchten wir in vier
Gruppen a drei Personen plus Übersetzer ( Telegu - Englisch) die Familie.
Auch wenn der Fragebogen des Social Mapping immer wieder die gleichen
Fragen bereithielt, war jeder Besuch eine einzigartige Begegnung.
Zusammen mit Romy, Julia, Satvik und mehreren Leuten, die uns auffällig
und unauffällig folgten, besuchten wir sieben Familien in ihren kleinen
gemütlichen Häuschen. Jedes Häuschen glich einer eigenen kleinen Welt,
die uns für einen kurzen Augenblick eröffnet wurde.

Marcella








Textile Colony Befragungs - Ergebnisse

Gruppe Ahmo, Felix und Ines mit Übersetzer und lokalem Begleiter:

Nachdem jede Gruppe einen Übersetzer(als Person von Englisch nach Telegu) und einen lokalen Begleiter zugewiesen bekommen hat, ging auch schon Befragungstour los. Unsere Gruppe bestand aus Ahmo, Felix und Mir(Ines) und John als Übersetzer und dazu noch den lokalen Führer. Zu fünft kamen wir bei der ersten Familie an und konnten nach indischer Gastfreundlichkeit in die Wohnung gebeten und von dort konnte auch schon unsere Befragung beginnen. Schnell teilten wir die Aufgaben in unsere Gruppe auf. Ahmo, Teamleiter und Englischkönner,
Felix, der Schreiberling, Ines, die Fotografin, John, der Übersetzer.
Schnell bemerkte man, daß die meisten Hausfrauen Zigaretten herstellen und verkaufen, wobei wir von Familie zu Familie mehrere Etappen der Zigarettenherstellung sehen konnten. Ebenfalls viel uns früh auf, daß die meisten Familien mehr Töchter als Söhne besaßen.Neben der Befragung wurde jeweils von den Familien ein Foto gemacht, wogegen auch keiner etwas hatte.
Aber das Lächeln müssen wir nochmal üben.
Es war sehr spannend für uns in die einzelnen Haushalte hinein zuschauen und die Familien einzeln wahrzunehmen und in wiefern sich diese dann doch voneinander unterscheiden.Mit einem Chai und keksen nach indischen Gebrauch, in sommerlicher Hitze fand die befragung ihren Schluss.



Gruppe Thomas, Charly, Anne, Übersetzer Sam:

Bei unserer Befragung wurden wir sehr herzlich begrüßt und ein paar Familienschicksale gingen uns ans Herz. Wie zum Beispiel, dass zwei junge Frauen nicht mehr zur Schule gehen können,weil der Vater verstorben ist.
Sie leben mit der Mutter, Oma und einem Waisenmädchen in einem Haus.
Eine andere Geschichte die uns sehr nahe ging, war eine Familie, die hatte 9 Kinder und eines der Kinder hat wegen einer schweren Krankheit das rechte Auge verloren.
Dies waren prägende Momente für unsere Gruppe. Während der Befragung wurde uns nahe gebracht, dass dringend Brunnen benötigt werden, weil sonst die Häuser nicht fertiggestellt werden können.

Nach zwei Stunden FRAGEN, STAUNEN,LACHEN,SCHREIBEN beendete jede Gruppe die Befragung und wir kehrten als gesamte Gruppe ein weiteres Mal in ein Haus der nächststehenden Colony ein.
Wir wurden geladen zu Chai und Keksen vom Präsidenten der Textile Colony, der insbesondere für die Bedürfnisse der Familien verantwortlich fühlt.
Bevor wir ihn und die Colony verließen, welche sich nun zahlreich um uns versammelte, versuchte er uns zu erklären wie wichtig weitere Wasserbrunnen für die Colony wären. Denn zurzeit versorgt nur ein einziger Brunnen 400 Familienhaushalte.
Dieses thema beschäftigte uns auch noch nach unserem Mittagessen bei sam als wir die Auswertung des Social Mapping besprachen.
Desweiteren entstanden erste Ideen für eine Spendenaktion für die Finanzierung von mehren Brunnen in der Colony, da in den folgenden bis zu 2000 Familien dort leben werden und die Wasserversorgung wohl eines der wichtigsten Grundlagen für menschliches Leben ist.
Nach der Auswertungsrunde entschieden sich fast alle, außer Ahmo und mir, für einen bunten Einkaufsspaziergang durch Sircilla-downtown.
Währendessen ergab sich mir wunderbarerweise die Möglichkeit die indische Kochkunst zu entdecken. Sams familie bemühte sich um eion köstliches Abendessen mit Fried Cauliflower, gekochten Mais, Chapati, Chicken-Curry und Fried Potatos...
Mit neuen Eindrücken, lieblichen Ideen und der wohlschmeckenden Gastfreundlichkeit gab es nach unserem Dinner JamSession, Spiele und wildes Getöse mit dem stets andauernden Weberstreichorchester im Hintergrund.
mein persönlichen Abschied des Tages zelebrierte ich zusammen mit Friedo und Ahmo auf dem Rooftop des Kirchengebäudes, wo uns zahlreiche Sterne umstrahlten.
Ich genoss sehr diesen Augenblick mit großer Vorfreude auf die nächsten Tage in meinem Herzchen .
C'etait grandios....au revoir avec bisses...Marcella


Nachtrag
Beim Einkaufen in Sircilla wurden wir wieder von einer großen Menschenmenge begleitet, was das Einkaufen sehr stressig machte. Nach der Einkaufstour lud uns Sam zu einem Bekannten ein und wir bekammen wieder Cay und leckere Snacks.
Bevor wir wieder zurück zu unserer Unterkunft gingen, wurden wir von der Familie zur Verlobungsfeier ihrer Tochter eingeladen. Was uns in große Freude versetzte.
Nachdem Essen haben Sedvik, Sunny und sein kleiner Bruder Instrumente herausgeholt und Frido spielte mit einer Gitarre zu den Trommeln was sich sehr schön angehört hat. Später sangen wir deutsche Lieder und Sunny, Sadwik sangen Telegu Lieder.
Anschließend spielten wir ein indisches Spiel, welches sehr lustig war.
Ich holte ein paar Luftballons und wir machten Luftballon Wettpusten und andere lustige Spiele mit ihnen. Gegen 2:00 Uhr Nachts ging ich nach so einem schönen Abend glücklich ins Bett.



Webstühle und verrückte Hühner


Tag. 4

Heute morgen wurden wir von indischen Gebeten, den maschinellen Webstühlen und dem Huhn welches uns schon gestern besuchte geweckt. Nach dem leckeren Frühstück fuhren wir zu dem Projekt "SEWS", welches acht Kilometer von unserem Dorf entfernt war. Der Projektleiter von "SEWS" lud uns zu einer Tasse Cay ein und zeigte uns ein Dorf, wo gerade eine Bewässerungsanlage gebaut wird. Zuvor wurden wir Mädels mit einer Rose beschenkt, die wir uns ins Haar steckten. Thomas bekam einen roten Punkt zwischen den Augebrauen. Anschließend sind wir zu den Feldern mit einem Traktor gefahren, was uns allen grßen Spaß gemacht hat. Auf dem Feld war es sehr heiß, was uns alle sehr durstig gemacht hat. Am Bus angekommen brauchten wir alle erstmal unser Wasser.
Anschließend fuhren wir wieder zu dem Projekt und bekamen ein sehr scharfes Mittagessen. Nach dem leckerne indischen Mal machten wir uns auf den Weg zu einem indischen Krankenhaus, als Sam einfiel noch einen Besuch in einem sehr kleinen Armendorf abzuhalten. Wir stiegen aus dem Bus aus, waren alle sehr betroffen und schockiert, solch eine Armut. Wir gingen ein paar Schritte durch das Dorf und stiegen nach ein paar Minuten wieder in den Bus ein.
Am Krankenhaus begrüßt uns eine Schwester und zeigte uns das Krankenhaus. Wir durften auch ein Krankenzimmer betreten. Dort lag eine Mutter, die ihr Kind stillte. Es war für mich ein sehr emotionialer Moment. Die Schwester, die uns durch das Krankenhaus führte, erzählte uns, daß sie sich für Geburtshilfe spezialisiert haben. sie zeigte uns auch, wo sie wohnen und lud uns zu einem Cay und Snacks ein. Sie erzählte uns, daß in dem Convent fünfzehn Schwestern leben und sie im Krankenhaus, in der Apotheke und in der anliegenden Schule arbeiten.
In der Schule werden ca. sechshundert Schüler und Schülerinnen unterrichtet.
Nach dieser interessanten Gesprächsrunde ging es zum nächsten Projekt. Wir fuhren durch ein paar Städte und konnten eine Demonstration beobachten. Gegen siebzehn Uhr waren wir in der Organisation "Pruschi", wo wir erneut sehr herzlich begrüßt wurden und der dortige Projektleiter uns sein Projekt erläutert hat.
Das Projekt unterstützt die nächste Generation von Bauern, die als Kleinunternehmer Beratung und finanzielle Hilfe benötigen. Gegen 20:30 kamen wir wieder in Sircilla an und dann gab es gleich Abendbrot "Nudel mit Hühnchen" und "Nudel mit Ei", zusätzlich bekam jeder ein Toast mit einem sehr scharfen Aufstrich (Masala). Bei unserer Auswertungsrunde fiel der Strom zum dritten Mal aus und wir saßen dann im Kerzenschein am Tisch, was sehr gemütlich war. Jetzt sitzen wir wieder bei Licht am Tisch, spielen, lesen, oder schreiben ein paar Zeilen in unser Indien-Tagebuch.

Der heutige Tag war sehr aufregend und spannend. Ich bin gespannt, was uns der morgige Tag für Überraschungen bereithält.

Gute Nacht, bis Morgen

Anne



Dienstag, 4. Oktober 2011

03 / 10 / 11 - Romy


An diesem Tag erwies sich schonder erste, eigentlich sehr unkomplizierte Tagespunkt als kleines Manöver. Geplant war es auswärts, ein gemeinsames Frühstück einzunehmen. Dafür machten wir uns, in Gruppen mit verschiedenenbRikshas aufgeteilt, vom Social Service Center aus los. Leider kamen jedoch nicht vollständig an, da der Fahrer von Frido,  und Anne den weg nicht so genau wusste. Das bedeutete, dass sie erst einmal zu unserer Unterkunft zurück mussten, um von dort aus erneut zu starten. Als sie dann jedoch etwas verspätet nachkamen, wurde es noch ein sehr schmuddeliges Frühstück.
Besonders interessant war es, die eigendlich nicht vorhandenen Anstrengungen des Kellners, die Tische reinlich zu halten, zu beobachten. Der nicht unbedingt klinische Schwamm hinterließ den eindruck, er würde die Tische dreckig wischen.
Nach diesem, etwas seltsamen Frühstück ging es zum Mädchendorf von SKCV.
Zuerst waren die Mädchen sehr zurückhaltend wegen des ungewöhnlichen Besuchs einer 13- Mann Truppe. Aber ich glaube, trotz ihrer anfänglichen Schüchternheit freuten sie sich sehr über die Abwechslung. Den Aufenthalt bei den Mädchen begannen wir mit einem kleinen Rundgang und einer kleinen Vorstellungsrunde. Alle Kinder nannten ihre Namen und freuten sich später riesig, wenn wir uns noch an einige erinnerten.
Danach teilten wir uns in Gruppen auf, und gingen in eine Art offenen Keller an zu spielen. Die Kinder konnten sich zwischen Kneten, Basteln, Gesichter Schminken und Spiele und Sport entscheiden.
Hiebei fand ich es besonders bemerkenswert, dass die meisten zwar noch keine Bastel- und Kneterfahrungen hatten, jedoch sehr schnell das Prinzip verstandenund dann auch eine blühende Fantasie entwickelten und wir aßen dann alle zusammen Boden und die Kinder bedienten uns und fragten alle zwei Minuten, ob wir noch irgendetwas benötigen. Wir spielten und alberten noch ein bisschen, dann ging es zum ehemaligen Bürgermeister. Dort sollte das Thema Bibliothek im Jungenprojekt von SKCV erläutert werden, dazu kam es aber eher nicht. Statt dessen stellte dieser die etwas seltsame Frage ob Hitler Vegetarier war...
Jetzt war es schon spät am Abend und wir fuhren zu einem leckern Abendessen in der von mir ernannten  "Höhle".

Insgesamt war es ein sehr schöner Tag, besonders weil wir so
viel direkten Kontakt mit den Kindern hatten.

Romy




Montag, 3. Oktober 2011

02 / 10 / 11 - Thomas

Heiß - heißer - Zimmer Nr. III im zweiten Obergeschoss, 
so müsste die Steigerung lauten. Selbst nachts fließt man förmlich weg, da der Ventilator die warme Luft nur verteilt, statt abkühlt. Sandra will bei sich 33 Grad gemessen haben. Bei mir es sogar schon früh auch keineswegs weniger. Treff ist 8:30, bis zum servieren des Frühstücks vergeht noch eine kleine Weile. Wir essen mit den hiesigen Gästen, die offenbar auch wegen der Sonntagsmesse besonders zahlreich sind. Mit 3 Rickshas geht es, schon sehr erprobt im Verfahren, zu Navajeevan, wo wir gleich mit Dorothea(eine Abiturientin aus München) schon am Eingang unten auf die erste der gegenwärtigen Volunteers treffen. Oben im Küchen-/ Speiseraum warten weitere: Jonas kommt aus Köln, ein anderer aus Österreich und Andrej aus Lettland ist offenbar nur zu Besuch. Jonas und die anderen erzählen etwas von ihrer Arbeit und ersten Eindrücken, und beim Rundgang zeige der Gruppe auch das Zimmer, wo ich erst im Januar vor genau 9 Monaten als Gast wohnen durfte. Gemeinsam werfen wir Blick in den Sick Room und unterhalten uns kurz mit einigen College Boys. Auch Ahmos Fuß(die Verletzung vom Volleyball gestern) wird hier nun verbunden samt Tetanusspritze.
Neben den diversen Internetcafés in der Andrha Ratma Road, die wir bevölkern, läuft ein kleiner Gandhi-Gedenkveranstaltung, zu der wir eingeladen werden. Ahmo und ich hatten einen kleinen Redebeitrag, welche Bedeutung dieser große kleine Mann bis heute nicht nur für die Bewohner seiner indischen Heimat hat, wie aktuell 68 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod gerade die Botschaft von Mitmenschlichkeit über alle Schranken hinweg ist. Nur als wir auch noch den Tortenanschnitt "unbedingt" beiwohnen müssen, wird es "a little too much" und damit nervig. Schade, denn mir hatten sehr gefallen, daß auch viele Arme in zerschlissener Kleidung die Stühle unter dem nicht sehr stabilen Zeltdach bevölkerten.
Zu Schneider & Shopping teilten wir uns, treffen wieder am "Crossroads" zusammen, wo wir vor dem wieder sehr leckeren Mahl etwas auf freie Sitzplätze warten müssen. Folglich sind wir auch nicht pünktlich am SKCV-Shelter, wo der Bus mit einigen Boys schon abfahrbereit ist. Am Stadion gibt es großes Gedränge, da Massen von Menschen zu der Großveranstaltung strömen. Wir werden eingangsnah auf eine der Tribünen gelotst - recht gute Sicht auf das Geschehen, das ich mir etwas anders vorgestellt hätte. Reden und Tänze wechseln sich auf der  zentral stehenden Bühne ab, von Kameras auf zwei Bildschirm-Leinwände übertragen. Die Aufmerksamkeit gilt aber auch immer wieder den Jungs - nicht nur denen von SKCV, sondern auch einigen anderen, die sich mit zu uns gesellt haben und im Einzelfall sehr fordernd sein können. Als an meiner Kamera zu wild herumgezerrt wird, packe ich sie lieber weg. Nach 1-1,5 Stunden suchen wir regelrecht das Weite, fahren direkt ins Quartier zurück. Während viele sich um Wäsche etc. kümmern, ziehen wir im kleinen Trupp, von dem dann nur noch Sandra, Romy und ich übrig bleiben, zu kleinem Abendbrot und Telefonieren am Bahnhof los. Nach Rückkehr falle ich trotz der Affenhitze in tiegen Schlaf (bei voller Beleuchtung!), kaum daß ich einen Artikel im "Outlook" gelesen hatte, und komme erst morgens zu mir...

Gute Nacht allen Mit-Schwitzenden wünscht Thomas


Sonntag, 2. Oktober 2011

o1 / 1o / 2o11 - Julia


Dieser Tag hätte nicht "entspannter" starten können...

nach einer kurzen, wie gewohnt schwül-heißen Nacht bei gefühlten 35 Grad zu dritt in einem Bett und natürlich ohne Frühstück machten wir uns voller Elan samt Gepäck per Ricksha auf zum Bahnhof in Hyderabad. Allerdings entschädigte die durchaus ruhige Rickshafahrt vorbei am Stadtsee hinein in den indischen Sonnenaufgang so manches. Am Bahnhof angekommen und einige Wartezeit später waren die Tickets gesichert und wir stiegen in den Waggon, der für die nächsten Stunden unser Aufenthaltsort sein sollte. Wir hatten Glück und jeder ergatterte einen mehr- oder weniger geräumigen Sitzplatz. Uns begegnete neben Bettlern und netten indischen Mitreisenden auch verschiedenste Verkäufer Cay, Kaffee, Obst und sogar Popcorn sowie Wassertüten konnten erworben werden. Eine davon samt Inhalt, auf meiner linken Schulter- aber immerhin hatte das kleine Mädchen neben mir seinen Spass. Allerdings war unsere Reisegruppe Sonnenschein nach erfolgreicher Ankunft in Vijayawada alles Andere als gut drauf, weshalb zunächst eine kurze Pause eingelegt und jedes Einzelzimmer bezogen wurde. Gegen Nachmittag brachen wir dann zur Slumschule (genauer zur Dr. B. R.
AMBEDKAR Vidya Accademy EM. School) auf.
Die Kinder im Alter von vier bis fünfzehn Jahren erwarteten uns begeistert und in Schuluniform. Nach der lockeren Vorstellugsrunde bei frischer Kokosmilch folgte der wohl beeindruckenste Teil unseres Besuches. Alle Kinder stellten sich im Hof wie einstudiert auf und im nächsten Moment brach ein überwältigender Chorgesang aus Liedern und Gebeten über uns herein.
Trotz der exakten Syncronität behielt jedes Kind seine eigene Individualität. Manche schlossen die Augen, andere dagegen waren extrovertiert und brüllten eher statt zu singen. Unsere ganze Gruppe war Sprachlos und im nachhinein fast peinlich berührt, als wir aufgefordert wurden ebenfalls etwas vorzutragen. Letztendlich brachten wir dennoch ein bescheidenes "Bruder Jakob" zustande. Dannach verabschiedeten wir uns von den Kindern, die Zeitgeich mit deutschen Schülern in den Ferien gingen. Nach kurzer Besprechung beschlossen wir, den rest sich abends geteilt in zwei Gruppen zu verbringen. Einige gingen zu den SKCV Jungen, die anderen (zu denen auch ich zählte) wurden spontan von unserem Gastgeber Jimmi zum Essen bei sich zu Hause eingeladen. Die prunkvolle einrichtung stand in krassem Gegensatz zu der Armut, die wir bisher gesehen hatten. Alles in allem war er ein rundum gelungener Abend mit leckerem Essen (wahlweise sogar mit Besteck), leckeren und interessanten Gesprächen und neuen Bekanntschaften. Jeder, der dabei war, wir sicherich sehr gern an diesem Abend und den Tag zurück denken.

Damit verabschiede ich mich in eine weitere schwüle Nacht Indiens und wünsche unserer ganzen Gruppe Sonnenschein noch viel Spaß!

Eure Julia/ Jule/ Forchi


Mittwoch, 28. September 2011

Hyderabad, der Zweite.

So, heute bin ich dran mit dem Tagebuchschreiben, wir sitzen grade
nach einer auesserst geruhsamen Nacht beim Fruehstueck.
Die noetigen Vokabeln fuers Essen bestellen fehlen noch,
aber da gerade das Fruehstueck kommt, scheint alles
geklappt zu haben. Zwei Stromausfaelle spaeter und
mit gefuellten Baeuchen machten wir uns auf die Suche
nach einem Internet-Cafe. Nachdem jede/r seine Liebsten
mit einer oder mehr Mails beglueckt hatte, wurden fleissig
Postkarten geschrieben. Eine weitere aufregende und
spannende Ricksha-Fahrt fuehrte uns zums Birla-Tempel.
Manch einer betete und manch anderer bestaunte das
Bauwerk mit einem Rundegang. Intensive Schmuckkaeuffe
liessen manche Gruppenmitglieder (mir zum Beispiel) das
Herz hoeher schlagen. Ein Besuch im Park rundete die
entspannte Atmosphaere ab. Einer wahnsinnig
adrenalin-bereichernden Achterbahnfahrt folgte ein
Spaziergang zum See (Stadtsee), wo wir viel gesehen
bzw erlebt haben. Wie zum Beispiel, indische Portrait
Zeichner, Henna Malerinnen und Vieles mehr.
Schwer mit unseren gekauften Schaetzen ging es dann
ins Hotel, wo sich unsere Gruppe ( Friedo, Nadine, Ines,
Julia, Felix, Romy und ich) eben doch fuers weiterkaufen
entschied. Es gab Schuhe fuer die Maedels und Hochzeits-
Anzuege fuer die Jungs. Dann ging es nahtlos weiter zum
Essen. Es gab Naan mit verschiedenen Currys und Reis.

Jetzt sitzen wir alle bei Marcy und Ahmo im Zimmer,
schreiben alle eifrig Tagebuch und lassen unsere Erlebnisse
sacken. Der improvisierte Kosmetik Salon bietet heute
Haare kaemmen und Henna Bemalung.

Zusammenfassend kann  ich fuer heute sagen, dass ich heute
wirklich in Indien angekommen bin und HEUTE nur
wunderschoene Eindruecke erlebt habe.
Ich haette nie gedacht, dass Indien so schoen sein kann
und man gluecklich sein kann obwohl man in seinem
Schweisssud steht, generelles gesundheitliches
Unwohlsein und bei solchen Massen an
Menschen und Verkehr.
Jetzt muss ich mich um mein Henna Tatoo kuemmern.

Es gruesst, Kati aus der Gruppe Sonnenschein.

P.S.:
Liebste Gruesse an Elli und Nils



27 / 09 / 2011 - Sandra


Nach einem ausgiebigem Frühstück und einem Stromausfall machten wir uns mit dem Bus auf nach Sircilla, hier bei konnten wir noch einmal Hyderabad bestaunen. Doch zum Schlafen kamen viele auch hier nicht, da sich die Landschaft um uns herum ständig verändert und man das Gefühl hat etwas zu verpassen, seien es nur die Ziegen auf der Straße, oder die Kühe auf der Wiese, auch die Schweine bekamen ihre notwendige Aufmerksamkeit. In Sircilla angekommen bestaunten uns gleich die ersten Kinder, schnell wurde die Gruppe größer und der Platz auf der Straße kleiner. Nach einem gemeinsamen Mittagessen erzählte uns Sam etwas über seine Familie, sich und seine Arbeit als Pastor in Sircilla und den umliegenden Dörfern. Im Anschluss besichtigten wir zum ersten Mal Sircilla, kaum aus dem Tor heraus bildete sich um uns eine Schar von Kindern, die uns kennenlernen wollten. Schnell fanden sie Interesse an unseren Fotoapparaten und so kamen wir kaum vom Fleck und die Menge um uns herum wurde immer größer. Auch beim Besuch der ersten Weberei blieben die Kinder hinter uns. Bei unserem weiterem Rundgang entdeckten wir Frauen, die um ein Mandala herum tanzten und sangen. Durch die gesamte Atmosphäre angesprochen reihten wir uns ein und versuchten mit den Frauen mitzutanzen und zu singen. Für alle war dies ein sehr aufregender, spannender und schlicht und einfach ein Suuuper-Moment. Schnell wurde auch die Presse auf uns aufmerksam und machte Fotos und führte Interviews. Mit vielen neuen Eindrücken machten wir uns auf den Weg zurück, immernoch mit der Kinderschar im Nacken. Nach einem gemeinsamen Abendessen liessen einige den Tag auf dem Dach der Kirche ausklingen und andere brachten ihre Tageseindrücke auf Papier.

Beim Anblick der Äpfel war die Kreativität dahin
und deshalb: Bye, bis Morgen.

Sandra



Montag, 26. September 2011

Hupen? Als haetten sie einen Vogel in der Hupe versteckt.

Magie trifft auf Muell und grosse Augen
25.09.11 - 23:30


Tja, da ich so voller Tatendrang bin, schreibe ich jetzt mal, bei schwueler Hitze
und mit Oropax neben mir bereit liegend.

...Ja sagen wir so, die Wand neben mir bringt nicht viel, denn wir hoeren alle
schoenen Gespraeche und das Hupen vor dem Hotel.
Die Fahrt vom Flughafen zum Ersten Hotel war ziemlich interessant, man haette
einfach nur die Gesichter sehen muessen. Waehrend Ines ganz gechillt guckte,
fielen Felix die Augen halb heraus. Es war wie zu erwarten Armut, Muell....
Aber ich hatte es mir anders vorgestellt. Eigentlich habe ich erst nach dem
Stadtbesuch (Altstadt, Hyderabad) begriffen, dass ich da bin. Ich verstand
nie, wieso Berichte von anderen Menschen ueber Indien so ungenau waren,
bis ich Ricksha fuhr. Das, was Du da erlebst, kannt Du nicht in Worte fassen,
dass sind Gefuehle, die dir deine Meinung zerreissen.
Indien ist nicht wunderschoen, du siehst ueberall Dreck und Armut,
aber Indien ist auch nicht haesslich, denn wenn mitten in den Chaos
und dem Dreck dich bunte Farben und duftende Fruechte anstrahlen,
dann bist du sprachlos. Du bist mittendrin, entweder, du machst die
Erfahrung selbst, oder, du wirst es nie erfahren.
Die Freundlichkeit der Menschen haut mich um, ach einfach alles!
Was soll ich gross erzaehlen? Ich bin seit 2 Tagen wach und ich habe
so viel in diesen 48 Stunden gesehen, was ich in diesem Format mein
ganzes Leben noch nicht sah.

Und deswegen hau ich mich jetzt endlich auf's Ohr.
Gute Nacht sagt die Nadine :)

Gruppen-Reise-Tagebucheintrag: Nadine


Mittwoch, 21. September 2011

Mumbai, wie es singt und lacht.



















Der Vergleich mit einem Carneval wäre ärger hinkend,
als ein Pirat in Seemansgarn. Doch möcht ich fortfahrn.

Verhältnismäßig untergebracht auf der Grant Road in
Mumbai. Fühle mich zart erinnert an alte Zeiten beim 
all-nächtlichen Verkauf im Betrieb des Bahnhofs-Imbiss 
meiner Eltern. Ausgelöst durch eine stattliche Schlange 
aneinandergereiht aus Taxen. Einigen Fahrern dient ihre 
Motorhaube und ein Stück des Kofferraumdeckels des 
nächsten Fahrzeugs als Liege.
In der Luft liegen taktvolle Trommelwirbel furioser
Schlagzeugspieler auf verzierten Karren. Das Festival,
daß zu Ehren der hinduistischen Gottheit Ganesh gefeiert
wird, verbindet unzählige Menschen, ganz ausgelassen.
Vor kurzer Zeit durften wir, auch in den Genuss gekommen,
alles hautnah zu erleben, ewas die Freude für viele Menschen
Mumbai's ausmacht - zusammen den Segen zu feiern, den
Ganesha bereithält.
Eigentlich aufgebrochen, der Verkehrsflut strotzend, um 
einen Bekannten Marcella's, Devendra Desai, in seinem 
Büro zu besuchen. Er beschenkt sozusagen Kinder mit 
Spielen, indem mit seinem Bus, umfunktioniert zu einer
Spiele-Bibliothek, die Children Toy Foundationzu 
Vororten herbeifährt oder Spiele Sonntage für Familien 
organisiert. Den Kindern eine Abwechslung mit Spiel 
und Spass beschert. Ungern enttäusche ich, doch nach 
einer missglückten Taxifahrt und etlichen Fragen später
fanden wir sein Büro aber leider nicht. Verwunderlich 
aber nicht unverständlich ist das nämlich in der riesigen 
Stadt, in der viele Straßennamen nur in der Landessprache
ausgestellt sind. Da sollte man einiges so einige Male besucht
haben um Verwiirung zu verhindern oder mit GPS bestückt sein.
Die verbleibenden Stunden in Mumbai mit einem Strandbesuch
zu geniessen, dachten wir dann, wäre hingegen machbar.
Mit einer neuen Flasche Wasser und einem Cola-ähnlichen
abgefahrenen Gebräu namens "ThumsUp" im Gepäck nahmen
wir also Platz auf der Mauer, zwischen unzähligen anderen 
Menschen, die die Promenade am Meer zierten, wie einer bunte 
Lichterkette. Nach etwas Zeit mit schöner Aussicht auf Meer 
und Mumbai sollte wir schon leider nochmal Hilfe brauchen. 
Diesmal nicht mit überambitionierten Taxifahrern, wie paar 
Stunden zuvor am Flughafen. Mehrere Kinder waren es, die 
vollkommen auf das Getränk scharf, ihre Hände ausstreckten. 
Meine Verwunderung begleitete Ohnmacht, der erst ein paar 
Nachbarn neben uns mit energischen Worten halfen.
Die kleine Aufregung überstanden, genossen wir unsere Zeit 
und blickten zurück auf Erlebtes. Wo wir also so auf der Mauer 
sitzen, unter uns Betonelemente mit Krabben-Massen fragt uns 
jemand, woher wir kämen. Es war Ibrahim, ein netter und 
aufgeschlossener Mensch dieser Stadt. Wir verbrachten rege 
Gespräche bis in die Nähe unseres Hotels. Aßen sogar zusammen
am Strand, umrandet von duftenden Imbissen. "Pav Baji" eine Art 
weiches Brötchen mit verschiedenen Currys, gegipfelt von einer 
unglaublich süßen Süßigkeit. Während all dieser Zeit war man 
nahezu stets begleitet von Feierlichkeiten des Ganesh Festivals. 
Gruppen die vor einer Statue der Gottheit tanzten. Feuerwerk 
am Himmel. Musik wie aus tausend Lautsprechern. Fast am Ende
unserer Reise mit Ibrahim, bat er uns an einem Zug Feiernder 
Süßigkeiten abzuholen, die aus einem Wagen an der Spitze gereicht
wurden. Ich bitte nicht zu vergessen, daß die Exotik eines Reisenden 
hier noch sein übriges zu dem Bild beitrug, daß sich den Feiernden 
bot. Wir inmitten dieser Pracht waren nun also wieder von 
Eindrücken beflügelt auf dem Weg ins Hotel. Wir sollten wieder 
nicht ahnen, daß Minuten später ein weiterer Zug, mit fröhlich 
feiernden Menschen uns passieren würde. Angeheizt durch einen 
Schlagzeuger auf geschmücktem Karren und seinerseits begleitet 
von anderen Musizierenden. Keine fünf Minuten hatten wir zugschaut 
und schon wurde uns ein Platz in den Reigen offeriert. Zumindest
einige spontanste Fotos mit den Neugierigsten derer, die sehr
angetan waren von unsere Anwesenheit. So gerne wir zwar
mitgetanzt hätten, hatten wir auch den ganzen Tag auf den
Schultern und entschieden, überwältigt weiterzuziehen.


Als wir dann im Zimmer ankamen und das Flattern unseres
Deckenventilators hörten redeten wir noch über das Erlebte
und hörten von draußen her noch lange Mumbai wie es singt
und lacht...


Ahmo