Mittwoch, 21. September 2011

Mumbai, wie es singt und lacht.



















Der Vergleich mit einem Carneval wäre ärger hinkend,
als ein Pirat in Seemansgarn. Doch möcht ich fortfahrn.

Verhältnismäßig untergebracht auf der Grant Road in
Mumbai. Fühle mich zart erinnert an alte Zeiten beim 
all-nächtlichen Verkauf im Betrieb des Bahnhofs-Imbiss 
meiner Eltern. Ausgelöst durch eine stattliche Schlange 
aneinandergereiht aus Taxen. Einigen Fahrern dient ihre 
Motorhaube und ein Stück des Kofferraumdeckels des 
nächsten Fahrzeugs als Liege.
In der Luft liegen taktvolle Trommelwirbel furioser
Schlagzeugspieler auf verzierten Karren. Das Festival,
daß zu Ehren der hinduistischen Gottheit Ganesh gefeiert
wird, verbindet unzählige Menschen, ganz ausgelassen.
Vor kurzer Zeit durften wir, auch in den Genuss gekommen,
alles hautnah zu erleben, ewas die Freude für viele Menschen
Mumbai's ausmacht - zusammen den Segen zu feiern, den
Ganesha bereithält.
Eigentlich aufgebrochen, der Verkehrsflut strotzend, um 
einen Bekannten Marcella's, Devendra Desai, in seinem 
Büro zu besuchen. Er beschenkt sozusagen Kinder mit 
Spielen, indem mit seinem Bus, umfunktioniert zu einer
Spiele-Bibliothek, die Children Toy Foundationzu 
Vororten herbeifährt oder Spiele Sonntage für Familien 
organisiert. Den Kindern eine Abwechslung mit Spiel 
und Spass beschert. Ungern enttäusche ich, doch nach 
einer missglückten Taxifahrt und etlichen Fragen später
fanden wir sein Büro aber leider nicht. Verwunderlich 
aber nicht unverständlich ist das nämlich in der riesigen 
Stadt, in der viele Straßennamen nur in der Landessprache
ausgestellt sind. Da sollte man einiges so einige Male besucht
haben um Verwiirung zu verhindern oder mit GPS bestückt sein.
Die verbleibenden Stunden in Mumbai mit einem Strandbesuch
zu geniessen, dachten wir dann, wäre hingegen machbar.
Mit einer neuen Flasche Wasser und einem Cola-ähnlichen
abgefahrenen Gebräu namens "ThumsUp" im Gepäck nahmen
wir also Platz auf der Mauer, zwischen unzähligen anderen 
Menschen, die die Promenade am Meer zierten, wie einer bunte 
Lichterkette. Nach etwas Zeit mit schöner Aussicht auf Meer 
und Mumbai sollte wir schon leider nochmal Hilfe brauchen. 
Diesmal nicht mit überambitionierten Taxifahrern, wie paar 
Stunden zuvor am Flughafen. Mehrere Kinder waren es, die 
vollkommen auf das Getränk scharf, ihre Hände ausstreckten. 
Meine Verwunderung begleitete Ohnmacht, der erst ein paar 
Nachbarn neben uns mit energischen Worten halfen.
Die kleine Aufregung überstanden, genossen wir unsere Zeit 
und blickten zurück auf Erlebtes. Wo wir also so auf der Mauer 
sitzen, unter uns Betonelemente mit Krabben-Massen fragt uns 
jemand, woher wir kämen. Es war Ibrahim, ein netter und 
aufgeschlossener Mensch dieser Stadt. Wir verbrachten rege 
Gespräche bis in die Nähe unseres Hotels. Aßen sogar zusammen
am Strand, umrandet von duftenden Imbissen. "Pav Baji" eine Art 
weiches Brötchen mit verschiedenen Currys, gegipfelt von einer 
unglaublich süßen Süßigkeit. Während all dieser Zeit war man 
nahezu stets begleitet von Feierlichkeiten des Ganesh Festivals. 
Gruppen die vor einer Statue der Gottheit tanzten. Feuerwerk 
am Himmel. Musik wie aus tausend Lautsprechern. Fast am Ende
unserer Reise mit Ibrahim, bat er uns an einem Zug Feiernder 
Süßigkeiten abzuholen, die aus einem Wagen an der Spitze gereicht
wurden. Ich bitte nicht zu vergessen, daß die Exotik eines Reisenden 
hier noch sein übriges zu dem Bild beitrug, daß sich den Feiernden 
bot. Wir inmitten dieser Pracht waren nun also wieder von 
Eindrücken beflügelt auf dem Weg ins Hotel. Wir sollten wieder 
nicht ahnen, daß Minuten später ein weiterer Zug, mit fröhlich 
feiernden Menschen uns passieren würde. Angeheizt durch einen 
Schlagzeuger auf geschmücktem Karren und seinerseits begleitet 
von anderen Musizierenden. Keine fünf Minuten hatten wir zugschaut 
und schon wurde uns ein Platz in den Reigen offeriert. Zumindest
einige spontanste Fotos mit den Neugierigsten derer, die sehr
angetan waren von unsere Anwesenheit. So gerne wir zwar
mitgetanzt hätten, hatten wir auch den ganzen Tag auf den
Schultern und entschieden, überwältigt weiterzuziehen.


Als wir dann im Zimmer ankamen und das Flattern unseres
Deckenventilators hörten redeten wir noch über das Erlebte
und hörten von draußen her noch lange Mumbai wie es singt
und lacht...


Ahmo


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