Es war meine erste Nacht, die ich mit einem Huhn zusammen in einem Zimmer
verbrachte. Thomas, Sandra, Anne, mein Liebster neben mir und ich hatte die
Ehre, mit Geetha, unserem Zimmerhuhn, daß Zimmer zu teilen.
Ruhig und anscheinend sehr zufrieden träumte sie mit uns und machte erst
wieder auf sich aufmerksam, als sie das Zimmer um 8:00 Uhr in der Frühe
verließ. Es gab mir Anlass genug, mich dem Schlafe zu entreißen und einen
neuen aufregenden Tag in Sircialla zu beginnen.
Es ist nun schon unser dritter Tag in Sircilla und er beginnt mit einem besonderem
fast einzigartigen, fast zweistündigen Stromausfall.
Wohltuend die Ruhe vor dem Sturm dürfen wir erleben, wie wundervoll Sircilla
ohne das Geräusch von reissenden Wasserfällen sein kann.
Hierzu eine kurze Erklärung, denn es gibt in Sircilla besonders viele viele Weber
und dazu noch viel mehr Webstühle, deren Geräusche immer präsent in der Stadt
erscheinen. Nun genießen wir die ungewohnte Ruhe beim Früstück mit Bread
Omelette, Upma und Bananen. Es liegt eine leichte Aufregung in der Luft, da wir,
heute eine Textile Colony Nähe Sircilla fahren werden, um dort ein Social Mapping
mit den dort lebenden Familien durchzuführen.
Nach vielen geklärten Fragen beginnen wir also eine kleine Reise in die Textile Colony
mit unserem Lieblingsbus und ich selbst fühle mich in große Vorfreude versetzt.
Ich liebe es ganz besonders Menschen in ihrer gewohnte Umgebung zu besuchen
und dabei für einen kurzen Moment zu einem Teil ihres Alltages zu werden.
Das Besondere ist für mich dabei, das Leben von Menschen unterschiedlicher
Herkunft zu ergründen und zu entdecken, wie verschieden Lebenswege
aussehen können. Nachdem die Colony erreichten, besuchten wir in vier
Gruppen a drei Personen plus Übersetzer ( Telegu - Englisch) die Familie.
Auch wenn der Fragebogen des Social Mapping immer wieder die gleichen
Fragen bereithielt, war jeder Besuch eine einzigartige Begegnung.
Zusammen mit Romy, Julia, Satvik und mehreren Leuten, die uns auffällig
und unauffällig folgten, besuchten wir sieben Familien in ihren kleinen
gemütlichen Häuschen. Jedes Häuschen glich einer eigenen kleinen Welt,
die uns für einen kurzen Augenblick eröffnet wurde.
Marcella
Textile Colony Befragungs - Ergebnisse
Gruppe Ahmo, Felix und Ines mit Übersetzer und lokalem Begleiter:
Nachdem jede Gruppe einen Übersetzer(als Person von Englisch nach Telegu) und einen lokalen Begleiter zugewiesen bekommen hat, ging auch schon Befragungstour los. Unsere Gruppe bestand aus Ahmo, Felix und Mir(Ines) und John als Übersetzer und dazu noch den lokalen Führer. Zu fünft kamen wir bei der ersten Familie an und konnten nach indischer Gastfreundlichkeit in die Wohnung gebeten und von dort konnte auch schon unsere Befragung beginnen. Schnell teilten wir die Aufgaben in unsere Gruppe auf. Ahmo, Teamleiter und Englischkönner,
Felix, der Schreiberling, Ines, die Fotografin, John, der Übersetzer.
Schnell bemerkte man, daß die meisten Hausfrauen Zigaretten herstellen und verkaufen, wobei wir von Familie zu Familie mehrere Etappen der Zigarettenherstellung sehen konnten. Ebenfalls viel uns früh auf, daß die meisten Familien mehr Töchter als Söhne besaßen.Neben der Befragung wurde jeweils von den Familien ein Foto gemacht, wogegen auch keiner etwas hatte.
Aber das Lächeln müssen wir nochmal üben.
Es war sehr spannend für uns in die einzelnen Haushalte hinein zuschauen und die Familien einzeln wahrzunehmen und in wiefern sich diese dann doch voneinander unterscheiden.Mit einem Chai und keksen nach indischen Gebrauch, in sommerlicher Hitze fand die befragung ihren Schluss.
Gruppe Thomas, Charly, Anne, Übersetzer Sam:
Bei unserer Befragung wurden wir sehr herzlich begrüßt und ein paar Familienschicksale gingen uns ans Herz. Wie zum Beispiel, dass zwei junge Frauen nicht mehr zur Schule gehen können,weil der Vater verstorben ist.
Sie leben mit der Mutter, Oma und einem Waisenmädchen in einem Haus.
Eine andere Geschichte die uns sehr nahe ging, war eine Familie, die hatte 9 Kinder und eines der Kinder hat wegen einer schweren Krankheit das rechte Auge verloren.
Dies waren prägende Momente für unsere Gruppe. Während der Befragung wurde uns nahe gebracht, dass dringend Brunnen benötigt werden, weil sonst die Häuser nicht fertiggestellt werden können.
Nach zwei Stunden FRAGEN, STAUNEN,LACHEN,SCHREIBEN beendete jede Gruppe die Befragung und wir kehrten als gesamte Gruppe ein weiteres Mal in ein Haus der nächststehenden Colony ein.
Wir wurden geladen zu Chai und Keksen vom Präsidenten der Textile Colony, der insbesondere für die Bedürfnisse der Familien verantwortlich fühlt.
Bevor wir ihn und die Colony verließen, welche sich nun zahlreich um uns versammelte, versuchte er uns zu erklären wie wichtig weitere Wasserbrunnen für die Colony wären. Denn zurzeit versorgt nur ein einziger Brunnen 400 Familienhaushalte.
Dieses thema beschäftigte uns auch noch nach unserem Mittagessen bei sam als wir die Auswertung des Social Mapping besprachen.
Desweiteren entstanden erste Ideen für eine Spendenaktion für die Finanzierung von mehren Brunnen in der Colony, da in den folgenden bis zu 2000 Familien dort leben werden und die Wasserversorgung wohl eines der wichtigsten Grundlagen für menschliches Leben ist.
Nach der Auswertungsrunde entschieden sich fast alle, außer Ahmo und mir, für einen bunten Einkaufsspaziergang durch Sircilla-downtown.
Währendessen ergab sich mir wunderbarerweise die Möglichkeit die indische Kochkunst zu entdecken. Sams familie bemühte sich um eion köstliches Abendessen mit Fried Cauliflower, gekochten Mais, Chapati, Chicken-Curry und Fried Potatos...
Mit neuen Eindrücken, lieblichen Ideen und der wohlschmeckenden Gastfreundlichkeit gab es nach unserem Dinner JamSession, Spiele und wildes Getöse mit dem stets andauernden Weberstreichorchester im Hintergrund.
mein persönlichen Abschied des Tages zelebrierte ich zusammen mit Friedo und Ahmo auf dem Rooftop des Kirchengebäudes, wo uns zahlreiche Sterne umstrahlten.
Ich genoss sehr diesen Augenblick mit großer Vorfreude auf die nächsten Tage in meinem Herzchen .
C'etait grandios....au revoir avec bisses...Marcella
Nachtrag
Beim Einkaufen in Sircilla wurden wir wieder von einer großen Menschenmenge begleitet, was das Einkaufen sehr stressig machte. Nach der Einkaufstour lud uns Sam zu einem Bekannten ein und wir bekammen wieder Cay und leckere Snacks.
Bevor wir wieder zurück zu unserer Unterkunft gingen, wurden wir von der Familie zur Verlobungsfeier ihrer Tochter eingeladen. Was uns in große Freude versetzte.
Nachdem Essen haben Sedvik, Sunny und sein kleiner Bruder Instrumente herausgeholt und Frido spielte mit einer Gitarre zu den Trommeln was sich sehr schön angehört hat. Später sangen wir deutsche Lieder und Sunny, Sadwik sangen Telegu Lieder.
Anschließend spielten wir ein indisches Spiel, welches sehr lustig war.
Ich holte ein paar Luftballons und wir machten Luftballon Wettpusten und andere lustige Spiele mit ihnen. Gegen 2:00 Uhr Nachts ging ich nach so einem schönen Abend glücklich ins Bett.
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