Als erfahrener Indienhase fing der Tag wie immer an. Man steht auf, fühlt sich nicht
besser als eine zermatschte Pflaume – und trotzdem freut man sich auf den Tag.
Die Rikschas wurden gesattelt, und wir führen zusammen zum SKCV-Jungenprojekt.
Diesmal frühstückten wir wieder mit den Jungs zusammen. Als ich fertig war, wurde ich
von Michael sofort mit zum Boot gezogen, und ich sollte mich auch sofort reinsetzen.
Ich blickte mich nach dem Starten des Motors noch einmal zum Projekt um, denn der
Rest der Gruppe war noch gemütlich am Frühstückstisch versammelt.
Nach kurzem Problem der Überwindung der Schlingpflanzen kamen wir an der Insel
im Krishna-Stausee an. 20 Meter vor dem Ufer sprangen wir ins Wasser und liefen bis
an Land. Auf einem kleinen Pfad folgte ich den Jungs auf eine „Steppenwiese“ mit viel
Sand, kaum Schatten und kleinen Strauch- und Schilfgewächsen. Beim ersten
Schattenpunkt wurden sogleich alle Sachen abgelegt, und es ging zurückschwimmen
mit den Jungs. Bis zum Mittag, welches mit viel Mühe auf die Insel transportiert wurde
und sehr lecker war, bin ich mit den Jungs drei Mal und nach dem Essen noch ein
weiteres ausgiebiges Mal schwimmen gegangen. So intensiv habe ich noch nie mit den
SKCV-Jungs das Schwimmen erlebt. Teilweise fühlte es sich an wie ein großer
Familienausflug bzw. eine Klassenfahrt. Man hat den Jungs nie angemerkt, dass sie
früher Straßenkinder waren bzw. eine sehr turbulente und schwierige Vergangenheit
haben. Das einzige, was noch daran erinnert, sind die gezeichneten Körper mancher
Jungs. Fazit für mich war „So einen Tag möchte ich wieder erleben mit den Jungs.“
Nach dem Zurückfahren zum Dorf teilte sich die Gruppe in zwei Teile. Ich fuhr mit
fünf weiteren Mitstreitern zum Mutter-Teresa-Heim bzw. dem Haupthaus der Filiale
des Ordens in Vijayawada. Trotz Gebetstages der Schwestern, eigentlich der einzige
No-Visitors-Day, wurden wir nett empfangen, und die Nonne zeigte uns den Komplex
und klärte alle unsere Fragen. Es waren nicht gerade wenige, und ich kläre hier nur kurz
auf, dass es zurzeit 80 Kranke sind, die dort von fünf Schwestern betreut werden, die
sich um alle kümmern. Trotz dieser knappen Besetzung meistern sie die anfallenden
Aufgaben augenscheinlich gut. Die Grenze der Erträglichkeit des Besuches – aufgrund
des Wissens, dass es in den Straßen von Vijayawada noch sehr viel mehr Kranke gibt,
denen geholfen werden sollte – wurde vielleicht nicht bei allen erreicht. Aber die
Ernsthaftigkeit stand jedem ins Gesicht geschrieben. Als Ärgernis empfand ich
persönlich sehr stark zu hören, dass die Regierung die Einrichtung gern von
ihrem Grund und Boden ausziehen lassen möchte. Die uns begleitende Schwester
meinte nur, dass noch eine harte Zeit auf das Projekt zukommen wird.
Wir hoffen inständig das Beste! Vorbei war der Tag aber noch nicht, dann zusammen
mit Ines hatte ich noch den Plan gefasst, in das kleine „wirklich“ indische Kino schräg
gegenüber unserer Unterkunft zur zweiten Show um 21.45 Uhr zu gehen.
Wir waren kurz vor Beginn der ersten Show da, der Film feierte genau an diesem Tag
Premiere, und vor dem Kino sammelten sich ungefähr 150 Leute. Aber der Eingang
war eigentlich schon wieder verriegelt. Wir erfuhren, dass das Kino total ausverkauft
ist, und begruben schon unsere Chancen. Doch dann wurden wir durch die nette Mithilfe
doch noch ins Kino gewunken und hätten noch zwei Karten für die erste Show bekommen
können. Mit sehr viel Glück haben wir dann für jeweils 25 Rs noch fünf Tickets für die
zweite Show ergattert. Das Kino war dann zur Vorstellung rappelvoll, und es wurde schon
bei dem ersten Bild, was über die Leinwand lief, lautstark gejubelt. Dann wurde gerade
noch bei Tanzszenen noch mit Blumen rumgeworfen, welche dann im Haar mehr oder
weniger sanft landeten. Fazit der Kinogruppe war: „Atmosphäre war der Hammer,
aber der Film hätte besser sein können.“ Kurz vor 1 Uhr waren wir raus und fielen
anschließend sogleich ins Bett.
Gute Nacht, Friedo
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