Für mich erwies sich an diesem Tag schon das Aufstehen als kleines Hindernis,
da meine neue Nachbarin anscheinend meint, die ganze und schon viel zu kurze
Nacht lautstark furzend auf dem sonst eigentlich „stillen“ Örtchen verbringen zu
müssen. Demnach kam ich in dieser Nacht nicht mehr zu meinem Schlaf.
Als wäre das nicht schon genug, musste natürlich auch noch mitten in der Nacht
der Strom ausfallen und dieser Zustand sich bis zum Morgen hinziehen.
Das hieß viel Schwitzen! Als der Wecker um 7.30 Uhr klingelte, habe ich mich
– verschlafen, wie ich war – in der Dunkelheit zur Toilette getastet, um mich den
unangenehmen Folgen des scharfen Essens hinzugeben. Nur um danach feststellen
zu müssen, dass das Wasser nicht funktioniert. Mit meinem restlichen Trinkwasser
gewaschen, stand ich dann kurz nach 8 Uhr am verabredeten Treffpunkt. Nun
konnte es nach einem kleinen Stopp an einem Kiosk, um Wasser zu kaufen,
mit dem Bus zum SKCV-Jungendorf gehen. Nachdem wir auch den richtigen Bus
gefunden hatten (denn die Bussuche gestaltet sich in Vijayawada derzeit aufgrund
eines Festivals als etwas schwierig), klärte uns Marci auf, dass sich in Indien die
Frauen in der vorderen und die Männer in der hinteren Bushälfte aufzuhalten haben.
Diese neue Erkenntnis fand ich sehr interessant, aber auch etwas merkwürdig.
Doch mir fielen noch einige weitere seltsame Dinge an diesem indischen Bus auf.
Zum Beispiel, dass es nicht wie bei uns einen Automaten gibt, sondern dass eine
Frau mit mehreren Fahrkarten zu den neuen Fahrgästen kommt und ihnen diese
dann verkauft. Natürlich kauften wir uns auch Fahrkarten, wie sich später
herausstellte, aber die falschen. Als dieser Fehler auffiel, versuchten fast alle Inder,
uns zu helfen – und berieten sich, an welcher Stelle wir am besten rausgelassen
werden konnten. Denn in Indien gibt es nicht immer feste Bushaltestellen, deshalb
pfeift die Kontrolleurin immer laut, um dem Busfahrer Bescheid zu geben, wann
jemand aus- und einsteigen will. Nachdem wir noch eine weitere Bus- und Rikschafahrt
überstanden hatten, kamen wir im SKCV- Camp an. Zuerst machten wir uns an das
etwas verspätete Frühstück, aber ohne die Jungs. Mir persönlich schmeckte das
Essen nicht so gut, und ich musste mit vorerst knurrendem Magen weiterstreichen.
Umso mehr freute ich mich dann über die gebrachten Erfrischungsgetränke.
Da es allerdings nur eine begrenzte Anzahl an Pinseln gab, hatten ich und einige
andere vorerst nichts zu tun. Deshalb spielte ich mit einigen Jungen auf dem Spielplatz,
welche mich dann noch mit zu ihren Kühen nahmen. Ich durfte das erste Mal eine
Kuh melken. Zuerst war es ein sehr komisches Gefühl, dennoch war es ein spannendes
Erlebnis und deshalb machten wir ab, dass ich nach dem Mittagessen noch mal
vorbeikommen konnte. Das Mittagessen hat im Gegensatz zum Frühstück sehr gut
geschmeckt. Als ich meinen Teller gerade wegbringen wollte (man muss hinzufügen,
dass ich unter einem Baum mit mehreren Raben saß), kackte mir ein Rabe direkt
auf den Arm. Aber man sagt ja: „Shit happens“!
Nachdem ich nach dem Mittagessen noch etwas gemalert hatte, ging ich mit Romy
nochmals zu den Kühen, denn nun war Melkzeit. Der eine Junge zeigte uns nochmals
genau, wie das Melken funktioniert. Nach einigen Versuchen und ein paar Milchspritzer
später klappte es schon ganz gut. Doch auf einmal hörte ich nur noch ein lautes „Ratsch“
– meine Hose war gerissen! Von wegen „Shit happens“! Dank Marcis Tuch konnte ich
auch ohne peinliche Blicke auf meine blanke Arschbacke durch den Tag kommen.
Nach dem Jungendorf sind wir mit Bus in ein Internetcafé gefahren, und während dieser
Busfahrt fing es an, in Strömen zu regnen und zu stürmen. In kurzer Zeit waren alle
Straßen überschwemmt. Als ich und Romy in dem Internetcafé fertig waren, gingen
wir nach dem kurzen Besuch einer Saftbar mit Kathi zum Schneider, um unsere
Dresses abzuholen. Die Freude war groß, als wir sie endlich in der Hand hielten.
Im Anschluss wollten wir mit dem Rest der Gruppe Abendbrot im „Crossroads“ essen,
und da es schon sehr spät war, fuhren wir allein mit einer Rikscha dorthin. Doch der
Rikschafahrer lieferte uns vorerst an einem ganz anderen „Crossroads“ ab. Wir waren
schon sehr aufgeregt, doch im Anschluss – mit 50 Rupien mehr und einigen
Missverständnissen – kamen wir heil fast eine Stunde zu spät noch im richtigen
Restaurant an.
Trotz einiger Zwischenfälle war es ein spannender und lustiger Tag.
So, jetzt bin ich müde und muss ins Bett!
Eure Charly :)
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