Dienstag, 25. Oktober 2011

12.10. - Romy

Heute hat die Gruppe „Sonnenschein“ eine 24-stündige Zugfahrt hinter sich gebracht. 
Diese begann schon mit einer interessanten Situation, als wir in unser Abteil liefen, 
um unsere Betten für die Nacht zu beziehen. Das einzige Problem war nur, dass es 
sich zwei Inder dort schon gemütlich gemacht hatten und auch standhaft meinten, 
diese Plätze seien hundertprozentig ihre. Nach einigem Hin und Her dachten wir, 
wir hätten einen falschen Waggon aufgesucht und entschuldigten uns bei den 
beiden noch in aller Form für die peinliche Situation. Also traten wir den Rückzug 
an. Allerdings stellten wir (mit Hilfe eines Schaffners mit seinen Listen auf dem 
Bahnsteig neben unserem Waggon) dann schnell fest, dass wir im Recht waren
 – und nahmen unsere alten Bettchen wieder ein, was natürlich im Umfeld für 
allgemeine Verwunderung und Erheiterung sorgte. So, die erste Hürde war also 
überstanden. Für diesen Abend wurden noch einige Besuche bei anderen Teil der 
Gruppe „Sonnenschein“ getätigt (der in Wagen S-3 untergebracht ist, wir dagegen 
in S-8), und man ärgerte sich noch über Städte, Länder und Flüsse, die einem leider 
nicht im richtigen Augenblick einfielen. Dem folgte eine recht geruhsame Nacht 
(von den andauernden Besuchen der zwei netten Kakerlaken, getauft auf Lakshmi 
und Krishna, mal abgesehen).

Diese Nacht endete allerdings auch schon gegen 6 Uhr morgens, da die Chai-Verkäufer 
offenbar der Meinung sind, man würde alle zwei Minuten einen Tee einnehmen wollen. 
Sie rannten also in 10-Meter-Abständen durch den Zug und ließen den „Chai-Lockruf“ 
erklingen. Zahlreiche andere Verkäufer verwandelten den Zug in eine wahre Shopping- 
bzw. Essensmeile. Man konnte Lassi, Snacks aller Art, Uhren, Schmuck und Cold Drinks 
erstehen. Regelmäßig kamen auch bettelnde Menschen an unsere Betten und hielten die 
Hand auf. Eine Frau stattete uns ganze drei Mal einen Besuch ab, wobei sie jedes Mal die 
Kleidung sowie das sie begleitende Kind wechselte. Den wachsamen Augen Charlys 
entging jedoch nicht das lila Band am Fußgelenk, weshalb der Plan dieser Frau nicht 
aufging. Kurz vor Ankunft in Mumbai öffneten sich dann noch die Wolken, und ein 
heftiges Gewitter begann sein Treiben. Es erwischte uns allerdings nur teilweise, da wir glücklicherweise schnell ein paar Taxis ausfindig machen konnten. Dann genossen wir 
noch ein schmackhaftes Abendbrot und fielen todmüde ins Bett.



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