Heute hat die Gruppe „Sonnenschein“ eine 24-stündige Zugfahrt hinter sich gebracht.
Diese begann schon mit einer interessanten Situation, als wir in unser Abteil liefen,
um unsere Betten für die Nacht zu beziehen. Das einzige Problem war nur, dass es
sich zwei Inder dort schon gemütlich gemacht hatten und auch standhaft meinten,
diese Plätze seien hundertprozentig ihre. Nach einigem Hin und Her dachten wir,
wir hätten einen falschen Waggon aufgesucht und entschuldigten uns bei den
beiden noch in aller Form für die peinliche Situation. Also traten wir den Rückzug
an. Allerdings stellten wir (mit Hilfe eines Schaffners mit seinen Listen auf dem
Bahnsteig neben unserem Waggon) dann schnell fest, dass wir im Recht waren
– und nahmen unsere alten Bettchen wieder ein, was natürlich im Umfeld für
allgemeine Verwunderung und Erheiterung sorgte. So, die erste Hürde war also
überstanden. Für diesen Abend wurden noch einige Besuche bei anderen Teil der
Gruppe „Sonnenschein“ getätigt (der in Wagen S-3 untergebracht ist, wir dagegen
in S-8), und man ärgerte sich noch über Städte, Länder und Flüsse, die einem leider
nicht im richtigen Augenblick einfielen. Dem folgte eine recht geruhsame Nacht
(von den andauernden Besuchen der zwei netten Kakerlaken, getauft auf Lakshmi
und Krishna, mal abgesehen).
Diese Nacht endete allerdings auch schon gegen 6 Uhr morgens, da die Chai-Verkäufer
offenbar der Meinung sind, man würde alle zwei Minuten einen Tee einnehmen wollen.
Sie rannten also in 10-Meter-Abständen durch den Zug und ließen den „Chai-Lockruf“
erklingen. Zahlreiche andere Verkäufer verwandelten den Zug in eine wahre Shopping-
bzw. Essensmeile. Man konnte Lassi, Snacks aller Art, Uhren, Schmuck und Cold Drinks
erstehen. Regelmäßig kamen auch bettelnde Menschen an unsere Betten und hielten die
Hand auf. Eine Frau stattete uns ganze drei Mal einen Besuch ab, wobei sie jedes Mal die
Kleidung sowie das sie begleitende Kind wechselte. Den wachsamen Augen Charlys
entging jedoch nicht das lila Band am Fußgelenk, weshalb der Plan dieser Frau nicht
aufging. Kurz vor Ankunft in Mumbai öffneten sich dann noch die Wolken, und ein
heftiges Gewitter begann sein Treiben. Es erwischte uns allerdings nur teilweise, da wir glücklicherweise schnell ein paar Taxis ausfindig machen konnten. Dann genossen wir
noch ein schmackhaftes Abendbrot und fielen todmüde ins Bett.
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