Während wir gerade auf unserer Rückreise nach Deutschland sind, denke ich, dass es der richtige Zeitpunkt ist, unsere Reise Revue passieren zu lassen. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als wir uns morgens alle ganz aufgeregt am Flughafen Berlin-Tegel trafen und ungefähr 16 Stunden später den wundervollen Blick auf Mumbai während der Landung genießen konnten. Vor 21 Tagen hat alles begonnen, und nun ist es leider schon wieder vorbei. Wir haben Höhen und Tiefen in der Gruppe, aber auch jede einzelne Person für sich erlebt und überwunden. Diese drei Wochen waren nicht immer einfach, aber dennoch trägt jeder von uns wundervolle Erinnerungen in sich. Egal, ob es der Besuch des typischen indischen Kinos war, das Baden im Krishna und/oder im Indischen Ozean an der Ostküste Indiens, das Piercing stechen lassen oder, wie bei Kathi, die ihre Haare im Tempel geopfert hat – jeder hatte mindestens einen persönlichen Moment, den er immer in Erinnerung behalten wird, wenn er an die Bildungs- und Kulturreise nach Indien zurückdenkt.
Wir haben alle eine Menge Neues kennen gelernt und mussten mit vielem zurechtkommen, was wir nicht kannten oder gewohnt waren. Wobei manche Mitreisenden an ihre Grenzen kamen, diese sich durch Krankheiten auch bemerkbar machten. Trotz alledem sind wir alle mehr oder weniger gesund und munter und freuen uns auf zu Hause. Wobei viele jetzt schon wissen, dass sie auf jeden Fall noch mal nach Indien reisen werden. Obwohl wir wirklich jeden Tag einen straffen Plan hatten, gibt es noch immer eine Menge im Land zu erkunden und kennen zu lernen. Sei es zum einen die Hauptstadt Delhi, zum anderen der Besuch von Sehenswürdigkeiten wie das Taj Mahal in Agra oder der Goldene Tempel in Amritsar, welcher sich im Norden von Indien befindet.
Herausragende Erlebnisse für die gesamte Gruppe waren z. B. der Besuch des Charminar in Hyderabad, das Blumenfest und eine Verlobung in Sircilla oder auch Indiens erste Computer-Recycling-Anlage in Bangalore und der „Slumbesuch“ von Dharavi in Mumbai. Wir haben so viel miteinander, aber auch mit der indischen Gesellschaft erlebt, dass wir die indische Kultur fast vollständig kennen lernen konnten. Vor allem, als wir die indischen Gastfreundschaft so oft zu spüren bekamen. Oder auch, indem wir zum Ende der Reise hin das indische Klo oft gegenüber dem westlichen bevorzugt haben… Oder auch, als wir dicht an dicht im indischen Zug saßen, nächtigten und später sogar miteinander aßen und lachten, da die Inder uns gegenüber so offen und neugierig waren.
Doch ehe wir uns an das Essen, den Geruch, die indischen Toiletten sowie die hygienischen Umstände gewöhnt hatten, war auch schon die erste Woche vorbei, in der wir schon erste Eindrücke sammeln und erste Kontakte (vor allem zu Sam und seinen Söhnen) knüpfen konnten. Insbesondere als wir die zweite Woche in Vijayawada verbrachten, kam unser Projekt im SKCV-Jungendorf zum Höhepunkt, als wir die Küche und den Essenssaal der ehemaligen Straßenkinder malerten, mit den Jungs zusammen aßen und gemeinsam spielten. Manchen von uns fiel der Abschied von den Kids schwer, da sie uns von Anfang an vertrauten und ganz oft in unserer Nähe waren. In der dritten Woche machten wir Banglore und Mumbai unsicher, da wir mit unserem neuen Schmuck und Dresses schon fast nicht mehr zu unterscheiden waren. Wenn wir zumindest die Hautfarbe nicht näher berücksichtigen.
Eine Überraschung waren für uns alle die freilaufenden Affen, die uns in Sircilla und Vijayawada über den Weg liefen. Sogar ganze Affenfamilien konnte man mit etwas Glück beobachten und fotografieren. Was uns auch noch nach 18 Tagen sehr beeinflusste und die Energie raubte, war die andauernde Hitze, die uns sogar nachts das Schlafen erschwerte. Doch haben wir alle mittlerweile gelernt, die Straßen mit Schnelligkeit ohne Angst zu überqueren, denn das Hupen der vielen Autos jagte manch einem von uns anfangs noch einen Schrecken ein. Was sogar weiter anhielt, als wir selbst in einer Rikscha saßen und nur knapp an anderen Autos und Fußgängern vorbeifuhren.
Jetzt, wo wir auf dem Nachhauseweg sind, ist die Vorfreude auf unsere Eltern, unsere Freunde, eine saubere Toilette, frische Luft und natürlich auch auf Nudeln riesig. Doch das Fernweh kommt bestimmt wieder, denn so viel neue Erkenntnisse und Erlebnisse, die wir sammeln konnten, möchte ich zum Beispiel ganz bestimmt irgendwann noch einmal auffrischen.
Hiermit verabschiedet sich Ines aus der Gruppe Sonnenschein, welche sich sehr auf zu Hause freut, um ihre ganzen Eindrücke ihren Eltern zu erzählen und die Fotos zu zeigen.
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